Das wichtigste Gebet ist das Gebet um die Beharrlichkeit bis zum Ende. Siehe hier


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Sonntag, 14. Oktober 2012

Womit die hl. Magdalena von Pazzis viel Zeit verbrachte

Die hl. Magdalena von Pazzis pflegte vor dem Kruzifix, das sie in der Hand hielt, zu beten und zu betrachten. Dabei wurde ihr Herz jedesmal ganz entzündet von Liebe zu Jesus. 
Sie erhob sich dann, lief im Kloster, wie ganz außer sich herum, und rief: „O Liebe“! Liebe! Liebe! niemals, ach niemals will ich aufhören, Dich zu nennen die Liebe, und unser Alles!“ „O liebe Schwestern!“ rief sie alsdann den Klosterfrauen zu: „Wisset ihr denn nicht, das Jesus nichts anderes ist, als die lautere Liebe! Und indem sie dies sprach, zeigte sie ihnen das Kruzifix, und fuhr fort, mit ihrem geliebtesten Jesus die süßesten Worte zu wechseln. 

Wer wird aber aussprechen können, was der gekreuzigte Jesu zu ihrem Herzen geredet, da er ihr Herz also zur Liebe entflammt hat! O, wenn der göttliche Heiland sich würdigen möchte, auch zu unserem Herzen zu reden, wir würde uns das trösten und erfreuen!

Wir wollen das Kruzifix in die Hände nehmen und mit dem frommem Samuel sprechen: „Herr, rede, denn Dein Diener höret!“


Alles aus: Vade mecum für Priester am Kranken- und Sterbebette von Stadtpfr. Georg Ott, Pustet, 1862, S. 200


Abbildung der hl. Magdalena von Pazzis inmitten anderer Heiligen der Karmeliten HIER



Donnerstag, 11. Oktober 2012

Alles sollen wir gerne leiden, um das Himmelreich zu erlangen

Meine Seele, wenn du die allergrößten Leiden ausstehen müsstest, um zu Jesus und zu seinen Auserwählten zu kommen, solltest du nicht gerne alles erdulden, um ein solches Gut zu erlangen? 

Bedenke doch, was es ist um das ewige Leben, um das freudenvolle Vaterland, die himmlische Stadt Jerusalem*! Nicht genug kann hierüber geschrieben, geredet oder betrachtet werden; denn kein Auge hat je solches gesehen, kein Ohr gehört, und in keines Menschen Herz ist solches gedrungen, was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben. 


Ach mein Gott, wie schmerzt es mich, dass ich so spät beginne Dich zu lieben! Ach, möchte jetzt vergehen mein Herz in Deiner Liebe, und möchte ich so wiedererstatten, was ich versäumt habe in Deiner Liebe! 
O Jesus, Du weißt, dass ich Dich ewig liebe und Dich immer mehr und mehr lieben will. Gerne, o Jesus, will ich aus Liebe zu Dir erdulden die Schmerzen meiner Krankheit, meine Angst und Not, ja selbst den Tod will ich nicht fürchten, damit ich bald erscheine vor Deinem Angesicht und Dich auf das Allervollkommenste lieben möge in alle Ewigkeit. Amen.

Alles inklusive Überschrift aus: Herr, den du liebst, der ist krank! Ein Kranken- und Trostbuch für katholische Familien, besonders aber zum Gebrauche für Seelsorger, von Dr. Franz Oettinger, Herder, 1904, S. 294

* hl. Offenbarung des Johannes 21,1-4

Mittwoch, 3. Oktober 2012

Ein großer Mann: die hl. Therese von Lisieux

Eine weitgehend unbekannte und doch wesentliche Seite an der "kleinen" Therese offenbart dieser Artikel:
"Dies ist eine männliche Seele, ein großer Mann", sagte Papst Pius XI. über sie. "Männlichen Mut" bescheinigte ihr Kardinal Vico.
Krieger, Priester, Apostel, Kirchenlehrer, Märtyrer - ihr Eifer für Gott war so groß, dass sie das alles sein wollte. Jeanne d´Arc war ihr großes Vorbild.
Es wird oft vergessen zu betrachten, wie sehr die hl. Therese vom Kinde Jesu gelitten hat und das alles, ohne ihre äußere Fassung und ihr Lächeln aufzugeben. 

Zwei Jahre vor ihrem Tod hatte sie sich der barmherzigen Liebe als Sühneopfer geweiht; ein Jahr später, am Karfreitag des Jahres 1896, erkannte sie an erstmaligem blutigen Auswurf, dass sie an Tuberkulose litt, für damalige Zeiten das sichere Todesurteil. Sie war erfreut, das Jesus ihr gerade an einem Karfreitag dieses Rufzeichen geschickt hatte.
Man kann sich heutzutage kaum vorstellen, was es bedeutet hat, an Tuberkulose zu sterben. Kurz vor ihrem Tod sagte der behandelnde Arzt: "Wenn sie wüssten, was diese junge Nonne leidet!"
Dazu kamen fürchterliche Seelenqualen und Anfechtungen, alles ertragen im Geist der Sühne und Liebe zu Gott.

Auf dem Sterbebett soll sie gesagt haben, was alle großen Heiligen auszeichnet: "Ich habe den Punkt erreicht, an dem ich nicht mehr leiden kann, denn alles Leiden ist süß für mich."
Ihre letzten Worte waren: "Mein Gott, ich liebe Dich!"

“This is a manly soul, a great man,” Pope Pius XI later said. Saint Thérèse of the Child Jesus thus followed the advice of the great Saint Thérèse of Avila to her daughters: “I want you not to be women in anything, but equal to strong men in everything!”
Little Known Thérèse of Lisieux
St.Thérèse’s virtue imposes itself 
with incredible majesty.

Thus wrote Cardinal Vico about the Virgin of Lisieux, “Thérèse’s virtue imposes itself with incredible majesty: the child becomes a hero; a virgin with her hands full of flowers causes astonishment with her manly courage.”9
Quelle

siehe auch: die gute englischsprachige wikipedia-Seite

Dienstag, 2. Oktober 2012

Flammen der Liebe - von der hl. Magdalena von Pazzi

O Liebe! Liebe! Liebe! Ich werde niemals aufhören, Dich zu lieben! 

O Liebe, wie wenig erkennt man Dich! O Liebe, wie wenig liebt man Dich! Ach kommet, kommet ihr Seelen und liebet euren Gott! Liebet Gott, Liebet Gott! 

O Liebe, wie kann es sein, dass die Liebe von ihren eigenen Geschöpfen nicht geliebt, ja nicht einmal erkannt wird? 

O mein Jesus, hätte ich doch eine so starke Stimme, dass man sie hörte am äußersten Ende der Erde! Überall würde ich verkünden: „Erkennet die Liebe! Liebet die Liebe!“ 

Kommet, liebet Gott, der so sehr euch liebt! O Liebe, ich sterbe vor Schmerzen, da ich so wenig Dich erkannt und geliebt sehe! Seelen, die ihr erschaffen seid aus Liebe, warum liebt ihr nicht?

aus: Immanuel, Am großen Tag der Kommunion, von Dr. theol. Jakob Ecker, Verlag Ferdinand von Schöningh, mit Imprimatur, 1912

Deus caritas est - Gott ist Liebe, 1. Johannes 4, 16


Montag, 17. September 2012

Unser entscheidender Satz beim Weltgericht

alles aus der Predigt: Christus festhalten! von Prälat Prof. Georg May

Es hat ein­mal einer einen Traum gehabt. Der Traum setzte in dem Augen­blick ein, als das Welt­ge­richt begann. In einem gewal­ti­gen Kreise, in einem Kreise von gewal­ti­gem Aus­maß, sah der Träu­mende unge­zählte Men­schen, alle Men­schen von Adam und Eva an, alle – ohne Aus­nahme. Und in der Mitte des Krei­ses, da ragte das Kreuz empor. Vor dem Kreuze saß auf dem Thron Chris­tus, der Rich­ter. Ein­zeln trat jeder vor ihn hin und wurde nicht gerich­tet, son­dern rich­tete sich selbst
Das letzte Gericht
Fra Angelico
Der Träu­mende hatte schon man­che Pre­dig­ten über das Welt­ge­richt gehört und ver­nom­men, wie sich die Pre­di­ger das Welt­ge­richt dach­ten. Einer erklärte, da wür­den der Teu­fel und der Schutz­en­gel sich um die Seele strei­ten, wem sie gehö­ren sollte, der Teu­fel als Anklä­ger, der Schutz­en­gel als Ver­tei­di­ger. Ein ande­rer Pre­di­ger hatte erklärt, der Rich­ter würde aus sei­nem untrüg­li­chen Gedächt­nis alle Sün­den eines Men­schen auf­zäh­len, mit Tag und Stunde. Wie­der ein ande­rer hatte gemeint, im Letz­ten Gericht würde es wie ein Blitz auf­leuch­ten, der im Bruch­teil einer Sekunde dem Men­schen sein gan­zes Leben über­schauen lässt. Sol­cher Art waren die Pre­dig­ten, die er gehört hatte.


Aber die Wirk­lich­keit, die er jetzt im Traume sah, war anders. In unüber­seh­ba­rer Schlicht­heit voll­zog sich das Gericht. 
Es bestand ein­zig darin, dass der ein­zelne Mensch zu Chris­tus hin­trat und sprach: „Ich liebe Dich!“ Das war alles. Das war das ganze Gericht. 
Aus der Ferne gewahrte der Träu­mende, dass viele von denen, die zu Chris­tus hin­gin­gen, spra­chen: „Ich liebe Dich!“ Sie spra­chen es jubelnd, jauch­zend. Diese wies der Rich­ter zu sei­ner Rech­ten. 

Dann aber kamen andere, die brach­ten die weni­gen Worte, die ver­langt waren, nicht aus dem Munde, nicht über die Lip­pen. Sie stot­ter­ten, stock­ten und ver­stumm­ten. Diese wies der Rich­ter auf die linke Seite, wo undurch­dring­li­che Fins­ter­nis sich aus­brei­tete. 

Selt­sam, dachte der Träu­mende, warum kön­nen diese Men­schen die drei Worte nicht aus­spre­chen? Nichts leich­ter als das. Wenn ich an die Reihe komme, werde ich mit Leich­tig­keit die­sen klei­nen Spruch her­sa­gen kön­nen. Zwar habe ich Chris­tus in mei­nem Leben nicht son­der­lich geliebt, denn seine Gebote waren mir läs­tig, aber das Ver­s­lein werde ich bestimmt auf­sa­gen kön­nen. So dachte der Träu­mende und übte dann einige Male: „Ich liebe dich; ich liebe dich; ich liebe dich.“ Er merkte, das ging ohne Schwie­rig­kei­ten. Ohne Zwei­fel würde er das Gericht beste­hen. 

Immer mehr teilte sich inzwi­schen die Mensch­heit und all­mäh­lich kam auch die Reihe an ihn, immer näher kam er dem Rich­ter. Und da traf ihn ein Blick aus den Flam­men­au­gen des Herrn. Seine Seele begann zu beben. In hel­ler Angst ver­suchte er noch ein­mal übend den Spruch zu spre­chen: „Ich...“, aber er kam nicht wei­ter. Er kam nicht wei­ter und unver­mu­tet schnell stand er vor dem Rich­ter. 

Wie aus einem Meer der Klar­heit über­blickte er sein gan­zes Leben. Da wusste er, dass er sei­ner Sün­den wegen Chris­tus nicht geliebt hat und dass er nie­mals wird in Ewig­keit sagen kön­nen: „Ich liebe dich!“ 

In die­sem Augen­blick ver­stummte er, und mit einem Schrei wurde er wach. Das Ganze war ein Traum. So oder so aber wird der Traum ein­mal Wirk­lich­keit wer­den. Wie der ein­zelne Mensch zu Chris­tus steht hier auf Erden, so wird es auch in der Ewig­keit sein. Mit Chris­tus ewig leben oder ohne Chris­tus ewig ver­lo­ren sein, das ist das Ende eines jeden Men­schen. Chris­tus ist die Lebens­scheide der Ewig­keit.

Wie ste­hen wir, meine lie­ben Freunde, zu Chris­tus? Kön­nen wir ihm ehr­lich sagen: „Ich liebe dich“? Wer es in die­sem Leben nicht gelernt hat, ehr­lich und auf­rich­tig zu Gott zu sagen: „Ich liebe dich“, der wird es auch vor dem Rich­ter­stuhl Christi nicht fer­tig brin­gen, diese Worte zu spre­chen. Jetzt ist noch Zeit zu ler­nen, das erlö­sende Wort zu spre­chen. Und es nicht nur zu spre­chen, son­dern es zu leben: „Ich liebe dich!“ 


Im Alten Bund erging das Wort des Herrn an das aus­er­wählte Volk: „Höre Israel, der Herr, dein Gott, ist ein Ein­zi­ger. Du sollst darum den Herrn dei­nen Gott lie­ben von gan­zem Her­zen, von gan­zer Seele und mit all dei­ner Kraft.“ So steht es im Buche Deu­te­ro­no­mium. Jesus Chris­tus hat die­ses Gebot bestä­tigt. Du sollst den Herrn dei­nen Gott lie­ben mit dei­nem gan­zen Her­zen, mit dei­ner gan­zen Seele und mit dei­nem gan­zen Gemüte. Das ist das erste und größte Gebot.

Liebe zu Gott! Noch ist es Zeit, meine lie­ben Freunde, diese Liebe zu ler­nen und zu üben. In der Treue zu Gott, im Gehor­sam gegen Gott, in der Arbeit für Gott, im Lei­den mit Gott. Noch ist es Zeit.


weiter HIER


Freitag, 7. September 2012

Liebe hat mit Willen zu tun und nicht mit Gefühl

(...) Dann ist auch die Liebe zu Gott und die Liebe zu den Men­schen immer in Gefahr, unge­sund zu werden. Man­che wol­len die Liebe zu Gott erfah­ren. Das geht nicht. Man kann die Liebe zu Gott nicht erfah­ren, und des­we­gen hat uns der Herr, psy­cho­lo­gisch meis­ter­haft, gesagt: „Nicht wer die Liebe fühlt, ist es, der mich liebt, son­dern der mei­nen Wil­len tut, der ist es, der mich liebt.“ Also es kommt auf die Ethik an. 
Wenn wir sei­nen Wil­len tun (Anmerk.: d.h. die Gebote halten), dann lie­ben wir Gott, dann lie­ben wir ihn mit der Tat, dann lie­ben wir ihn mit dem Wil­len, nicht mit dem Gefühl. 
Das Gefühl kön­nen wir nicht kom­man­die­ren. Wir kön­nen ent­zückt sein über das Kind­lein in der Krippe; wir kön­nen erschüt­tert sein über den Schmer­zens­mann, aber diese inne­ren Regun­gen ste­hen uns nicht immer zur Ver­fü­gung. Des­we­gen nicht trau­rig sein, wenn wir die Liebe Got­tes nicht spü­ren. 
Ent­schei­dend ist, daß wir die Liebe Got­tes wol­len, dass wir ihn lie­ben wol­len. 

Das gilt auch für die Liebe zu den Men­schen, die ja eng mit der Liebe zu Gott ver­knüpft ist. Man­che mei­nen, es sei eine Lieb­lo­sig­keit, wenn man eine Anti­pa­thie gegen einen Men­schen ver­spürt. Das ist keine Lieb­lo­sig­keit, das ist eine ganz natür­li­che Reak­tion. Wenn einer daher­kommt, zer­lumpt und ver­wahr­lost, ja, wie soll man den sym­pa­thisch fin­den? Das ist fast unmög­lich. 
Aber es kommt auch nicht auf Sym­pa­thie oder Anti­pa­thie an, es kommt auf den Wil­len an, daß wir ihn ach­ten als ein Geschöpf Got­tes und daß wir bei Men­schen, gegen die wir eine Anti­pa­thie emp­fin­den, vor­sich­tig sind, auf­pas­sen, daß wir die­sen Men­schen nicht Unrecht tun. Wir dür­fen uns nicht von Sym­pa­thie und Anti­pa­thie bestim­men las­sen. Kom­man­die­ren aber kön­nen wir diese Stim­mun­gen nicht. (...)


Donnerstag, 23. August 2012

Woran wir erkennen, dass wir Gott lieben - vom hl. Karl Borromäus

Die Zeichen, woran wir erkennen, dass wir Gott lieben sind: wenn wir 1) gerne an Gott denken; 2) gern im Hause Gottes bleiben; 3) gern von Gott reden oder mit Gott reden; 4) gern von Gott reden hören; 5) gern für Gottes Namen das Unsrige hingeben; 6) gern um Gottes willen Widerwärtiges ertragen; 7) gern den Geboten Gottes gehorchen; 8) lieben, was Gott gefällt, und hassen, was ihm missfällt; 9) wenn uns die Welt anfängt zu missfallen; 10) diejenigen lieben, welche Gottes Stelle vertreten, und ihnen die gebührende Ehre erweisen.

Aus: Legende der Heiligen, Stadtpfr. Georg Ott, Pustet, 1855

Dienstag, 12. Juni 2012

Herz-Jesu-Fest: zwei vorzügliche Beweise der Liebe Jesu Christi

Fortsetzung von hier


Auf welche Beweise der Liebe Jesu richtet die heilige katholische Kirche am Herz-Jesu-Fest ihre besondere Aufmerksamkeit? 

Im Kirchengebet sagt sie: wir begehen das Andenken an die vorzüglichen Wohltaten der Liebe. 

Als solche bezeichnet aber das priesterliche Brevier (in der 6. Lektion) zwei: 
1. Die Einsetzung des allerheiligsten Altarsakramentes
2. Das bittere Leiden und Sterben des Herrn zu unserer Erlösung. 


Auf diese zwei größten Liebesbeweise bezieht sich auch alles, was die Kirche in den Tagzeiten und in der Messe dieses Festes zu beten und zu betrachten vorstellt.


Fortsetzung hier
alles aus: Des ehrwürdigen P. Leonhard Goffine Katholische Handpostille, 69. Auflg. Kösel & Pustet, 1937, mit Imprimatur, S. 385



Wie wurde das Herz-Jesu-Fest eingeführt?

Fortsetzung von hier


Die Liebe unseres Erlösers wurde in der katholischen Kirche schon von allem Anfang an betrachtet, angestaunt und verehrt und in den verschiedenen Festen des Herrn gefeiert. Aber die Verehrung dieser Liebe zugleich mit der Verehrung des leiblichen Herzens Jesu als Sitz und Sinnbild seiner Liebe – diese Verehrung trat in der Kirche erst in späteren Jahrhunderten ein.
Die oftmalige und andächtige Betrachtung der großen Liebe, welche Jesus in den bitteren Leiden seines Leibes und seiner Seele bewiesen, besonders die Verehrung der heiligen fünf Wunden machte die Gläubigen aufmerksam sowohl auf die Leiden, welche das leibliche Herz Jesu als Sitz der Seelenleiden empfunden, als auch auf die Wunde, welche das Herz Jesu vom Lanzenstich empfangen hatte, und auf die Absichten wegen welcher der Herr sein Herz öffnen lassen wollte.

Seit dem elften Jahrhundert finden sich in den Schriften der Heiligen viele Stellen, welche beweisen, dass man seit jener Zeit das leibliche Herz-Jesu besonders verehrte und durch seine Verehrung die inneren Leiden des Herrn und seine Liebe inniger beherzigen und verehren lernte. Die Verbreitung dieser Schriften und der reiche Nutzen dieser Andacht bewirkten, dass dieselbe immer mehr bekannt und allgemein geübt wurde.

Am meisten zu dieser Verbreitung trug aber die hl. Margareta Maria Alacoque bei.
Sie war eine Klosterfrau aus dem Orden der Heimsuchung Mariä in Frankreich, starb im Jahre 1690 und wurde im Jahre 1864 von Papst Pius IX. selig, am 13. Mai 1920 von Benedikt XV. heilig gesprochen. 


Der Heiland zeigt
 sein liebeglühendes,
verwundetes Herz

der hl. Margareta Maria Alacoque
Der Heiland war ihr öfter erschienen und hatte ihr die Geheimnisse seines Herzen, den Reichtum seiner Liebe, sowie die Gnadenschätze kundgegeben, welche er allen denen mitteilen wolle, die seine Liebe im Sinnbild seines Herzens besonders verehren würden
Namentlich aber forderte er, es solle in der katholischen Kirche ein eigenes Fest zur Verehrung seines Herzens eingeführt werden und zwar zur Sühnung für alle Kälte, die Gleichgültigkeit und die Unbilden, womit die Menschen ihm im allerheiligsten Altarssakrament seine Liebe so schnöde und undankbar vergelten. Er versprach, dafür reiche Gnaden spenden zu wollen.

Als diese Offenbarungen nach dem Tode der Heiligen bekannt wurden, empfahlen fromme und gotterleuchtete Priester und Bischöfe diese Andacht den Gläubigen und suchten beim Heiligen Stuhl um die Einführung eines Festes zu Ehren des heiligsten Herzens nach. Diese Bitte wurde zuerst von Klemens XIII. im Jahre 1765 den Bischöfen Polens und der Erzbruderschaft des heiligen Herzens in Rom gewährt. 


Von da an verbreitete sich diese segensreiche Andacht so rasch und weit, dass es im Jahre 1856 beinah kein einziges Bistum mehr gab, in welchem nicht dieses Fest mit Erlaubnis des Papstes gefeiert wurde. 
Darum hat nun Papst Pius IX. dieses Fest in der ganzen katholischen Kirche alljährlich und zwar am Freitag nach Am Freitag nach der Oktav des Fronleichnamsfestes zu feiern befohlen. Papst Leo XIII. erhob es zu einem Duplexfest I. Klasse, Papst Pius XI. endlich statte es mit einer privilegierten Oktav 3. Ordnung aus und schrieb für den ganzen Erdkreis ein neues Sühnegebet vor. 

Fortsetzung HIER
alles aus: Des ehrwürdigen P. Leonhard Goffine Katholische Handpostille, 69. Auflg. Kösel & Pustet, 1937, mit Imprimatur, S. 384

Montag, 11. Juni 2012

Das Fest des göttlichen Herzens Jesu; Herz-Jesu-Fest

Am Freitag nach der Oktav des Fronleichnamsfestes

Was verehrt die katholische Kirche an diesem Fest?
Sie verehrt die Liebe Jesu Christi im Sinnbild des lebendigen leiblichen Herzens Jesu. 
Sie verehrt also beides zugleich, das leibliche Herz, welches der Sitz und das Sinnbild seiner Liebe ist, und diese Liebe, von welcher das leibliche Herz erfüllt ist.


Herz-Jesu-Bild
So heißt es ausdrücklich im römischen Brevier: „Papst Klemens XIII. hat einigen Kirchen auf ihr Ansuchen gestattet, das Fest des heiligsten Herzens zu feiern, auf dass die Gläubigen unter dem Sinnbild dieses Herzens desto andächtiger und eifriger die Liebe verehren, welche Christus in seinem Leiden und in seinem zur Erlösung des Menschengeschlechtes erlittenen Tod und in der zum Gedächtnis an diesen Tod geschehenen Einsetzung des Sakramentes seines Leibes und seines Blutes* erwiesen hat, auf das die Gläubigen aus dieser Verehrung desto reichere Früchte der Liebe empfangen.“ – 
Und Papst Pius VII. schrieb im Jahre 1781 an den Bischof von Pistoja: „Der Heilige Stuhl hat klar genug ausgesprochen, worauf das Wesen dieser Andacht wahrhaft hinziele: dass wir nämlich die maßlose Liebe und überströmende Zuneigung unseres göttlichen Erlösers in seinem Herzen, als ihrem Sinnbilde, betrachten und verehren.“


*das allerheiligste Altarssakrament


Fortsetzung HIER
alles aus: Des ehrwürdigen P. Leonhard Goffine Katholische Handpostille, 69. Auflg. Kösel & Pustet, 1937, mit Imprimatur, S. 382

Freitag, 8. Juni 2012

Jesus Alles für uns – und Alles aus Liebe

von  P. Frederick William Faber


Jesus gehört uns, Er will sich uns zur Verfügung stellen, Er teilt uns Alles von sich mit, was wir aufzunehmen im Stande sind. 
Er liebt uns mit einer Liebe, die kein Wort aussprechen kann, ja mehr als wir uns denken und vorstellen können, und Er lässt sich herab, mit einem ebenso unbeschreiblichen Verlangen zu wünschen, dass wir Ihn mit inbrünstiger, ungeteilter Liebe lieben möchten. 
Seine Verdienste können ebenso gut die unsrigen genannt werden, als die seinigen. Seine Genugtuungen sind nicht so sehr seine Schätze, als sie die unsrigen sind. Seine Sakramente sind nur ebenso viele Wege, die seine Liebe vorgezeichnet hat, um sich unsern Seelen mitzuteilen. Wo immer wir uns hinwenden in der Kirche Gottes, da ist Jesus. 
Er ist für uns der Anfang, die Mitte und das Ende von Allem. Er ist unsere Hilfe in der Buße, unser Trost im Kummer, unsere Stütze in der Versuchung. 
Es gibt nichts Gutes, nichts Heiliges, nichts Schönes, nichts Freudevolles, das Er nicht seinen Dienern ist. Niemand braucht arm zu sein, weil er, wenn er will, Jesum zu seinem Eigentum und Besitze haben kann. Niemand darf niedergeschlagen sein, denn Jesus ist die Freude des Himmels, und es ist seine Freude, in sorgenvolle Herzen einzugehen. 
Wir können viele Dinge übertreiben, aber wir können nie unsere Verpflichtungen gegen Jesus übertreiben, oder die Größe des Erbarmens und der Liebe Jesu gegen uns. 
All unser Leben lang könnten wir von Jesus reden, und doch würden wir nie erschöpfen, was Liebliches von Ihm gesagt werden kann. Die Ewigkeit wird nicht lang genug sein, um Alles kennen zu lernen, was Er ist, oder Ihn für alles das zu preisen, was Er getan.


Alles vom berühmten englischen Konvertiten   P. Frederick William Faber, dem Begründer des Londoner Oratoriums  aus seinem Buch: Alles für Jesus, 

Sonntag, 29. April 2012

Die opferwillige Liebe

Findet man nicht überall, dass selbst fromme Personen den Gekreuzigten vom Kreuz trennen wollen? Man möchte denjenigen lieben, der gekreuzigt ist, ohne sein Kreuz zu lieben. Allein, diese zwei sind unzertrennlich.
hl. Bernhard von Clairvaux
Als eines Tages der hl. Bernhard
am Fuße eines großen Kreuzbildes
mit glühender Andacht betete,
belebte sich der Christus plötzlich,
löste seine Arme und ließ sich herab
zu dem Heiligen,
den er mit Liebe an die heilige Wunde
seines göttlichen Herzens drückte.)
Die Heiligkeit, das ist nichts anderes als der Gekreuzigte, der den hl. Bernhard umarmt , wie ein herrliches Gemälde ihn darstellt. 
Das ist wahre Liebe. „Ich will nichts anderes kennen“, sagt der hl. Paulus, „ als Jesum und zwar Jesum, den Gekreuzigten.“

Wir sind Hostienmehl, nach dem Ausspruch des hl. Ignatius von Antiochia, der mit Begeisterung sagte: „Ich bin der Weizen Christi, ich muss von den Zähnen der Löwen zermalmt werden, um ein wohlschmeckendes Brot zu werden.“ Lasset uns Hostienmehl sein und 
  Liebesopfer“ werden, amoris victima

Es ist zu bedauern, dass so viele Seelen sich in dieser Beziehung täuschen. 

Die hl. Theresia von Avila sagte, dass dreiviertel von den an Gott gerichteten Gebeten sich auf folgende Anrufung zurückführen lassen: Von Kreuz und Leiden erlöse uns, o Herr! libera nos, Domine! Und man will heilig werden! 
Man hört gerne von Abtötung sprechen, man bewundert das Büßerleben der Väter der Wüste, man wiederholt stets: Mein Gott, ich liebe Dich! ... bekommt man aber einen Nadelstich, erfährt man eine Widerwärtigkeit, kommt eine Prüfung oder eine Krankheit, naht sich das Kreuz … dann zittert man erschreckt, dann begreift man nicht, wie Gott zulassen kann, dass seine Diener so heimgesucht werden.

Es gibt aber auch andere, für die die Opferwilligkeit einen wahren Reiz hat.
Ein mutiges Mädchen wollte um jeden Preis die Bekehrung ihres Vaters, eines rohen Sektierers, erlangen. An einem Festtage empfängt sie die hl. Kommunion und sagt zum lieben Heiland: „Alles für Dich, o Jesus! Ich liebe Dich, aber mein Vater muss sich bekehren. Willst Du ein Opfer? Ich bin da. Brenne, schneide, schlage, aber den Vater will ich retten.“

Vier Wochen darauf will sie beim Schafengehen ihre Lampe auslöschen und stößt sie um. Die Vorhänge fangen Feuer und fallen auf sie, ihre Kleider werden auch von den Flammen erfasst, sie wird fast lebendig verbrannt! Sie lebt noch 14 Tage, nur eine lebendige Wunde, ohne Klage , ohne Murren. 

Und bevor sie stirbt, sagt sie zu ihrem Vater: „Aber jetzt, Papa, wirst Du Jesum lieben, nicht wahr? Ich habe mein Leben für dein Seelenheil geopfert.“
Ist es noch nötig hinzuzufügen, dass die Hoffnung der jungen apostolischen Heldin nicht getäuscht wurde?

alles aus: Familienweihe an das Herz Jesu, P. Mateo, mit kirchlicher Druckerlaubnis, 1935



Donnerstag, 26. April 2012

Ein Hauptinteresse Jesu:

Die Ehre seiner Mutter
Dies ist ein anderes Hauptinteresse Jesu, und die ganze Geschichte der Kirche zeigt, wie nahe es seinem heiligsten Herzen liegt. Die Liebe zu ihr besonders zog Ihn vom Himmel herab, und die Verdienste Mariens bestimm
ten den Zeitpunkt der Menschwerdung. 
Sie war die Auserwählte der allerheiligsten, unzertrennlichen Dreifaltigkeit, die auserlesene Tochter des Vaters, die vorherbestimmte Mutter des Sohnes und die erkorene Braut des Heiligen Geistes. 
Unsere liebe Frau vom guten Rat
Die wahre Lehre Jesu war zu allen Zeiten innig mit der Andacht zu Maria verbunden, und die Mutter kann nur verwundet werden, wenn man den Sohn angreift. So ist Maria das Erbteil demütiger und glaubenstreuer Katholiken; wie die Andacht zu ihr zunimmt, so auch die Heiligkeit. Die Heiligen haben sich in der Schule ihrer Liebe gebildet. 
Die Sünde hat keinen größeren Feind als Maria, denn der Gedanke an sie ist ein Zauber gegen dieselbe, und die Teufel zittern bei ihrem Namen. 
Niemand kann den Sohn lieben, ohne dass auch die Liebe zur Mutter in ihm wächst; niemand kann die Mutter lieben, ohne dass zugleich sein Herz zur Liebe gegen den Sohn entflammt wird. 

Darum hat Jesus sie an die Spitze seiner Kirche gestellt, damit sie für die Guten ein Unterpfand aller Gnaden und der Stein des Anstoßes für seine Feinde sein soll. Was Wunder also, dass seine Interessen mit ihrer Ehre innig verflochten sind? 
Jede Lästerung der Irrgläubigen gegen ihre Würde, welche man durch einen Akt der Liebe oder der Danksagung für ihre unbefleckte Empfängnis und beständige Jungfrauschaft wieder gut zu machen sucht, gibt uns Gelegenheit, die Interessen Jesu zu befördern. 
Alles, was man tun kann, um ihre Verehrung zu verbreiten, und besonders um den Katholiken eine zarte Andacht gegen sie einzuflößen, ist ein verdienstliches Werk in den Augen Jesu, welcher uns reichlich dafür belohnen wird. 
Die Gläubigen veranlassen, dass sie an ihren Festtagen zur Kommunion gehen, sich in ihre Bruderschaften aufnehmen lassen, ein Gemälde von ihr bewahren, für die Seelen im Fegfeuer, die bei Lebzeiten eine besondere Andacht zu ihr trugen, Ablässe gewinnen, täglich einen Rosenkranz beten – dies sind lauter Dinge, die jedermann tun kann, und welche alle zu den Interessen Jesu beitragen. 
Ora pro nobis sancta Dei genitrix
Bitte für uns, o heilige Gottesgebärerin!
Andachtsbildchen
der Wallfahrtskirche Mariahilf
Noch eine Andacht will ich erwähnen, und ich wünschte sie allen einflößen zu können, wir würden dann genug tun für die Interessen Jesu, und die Liebe zu unserem Herrn würde sich so verdoppeln. 
Wir sollten nämlich mehr Vertrauen auf die Fürbitten unserer göttlichen Mutter haben, eine zweifellosere Zuversicht, mehr wirklichen Glauben an sie. 
Man würde mehr Liebe zu Maria haben, wenn man auch mehr Glauben an sie hätte; aber wir leben in einem irrgläubigen Lande*, und es ist schwierig, unter Eisbergen zu leben und nicht kalt zu werden. 
O Jesu, belebe unser Vertrauen auf Maria, nicht nur, damit wir mehr für Deine teuren Interessen arbeiten, sondern dass wir in der Weise daran arbeiten, wie Du es wünschst, indem wir uns kein Geschöpf teurer sein lassen, als die Einzige, welche Dir teurer war, als alle übrigen Geschöpfe.

alles aus: Alles für Jesus, P. Frederick William Faber

* P. Faber lebte in 19. Jahrhundert England.


Donnerstag, 5. April 2012

Die Freiwilligkeit des Leidens Christi

Dass Christus aber gerade durch sein bitteres Leiden und seinen schmerzhaften Tod die Erlösung bewirken wollte, erklärt und begründet der heil. Thomas von Aquin wie folgt. 
Es soll der Mensch, sagt er, durch die Betrachtung der großen Liebe Gottes, der sich freiwillig dem Leiden und Sterben aus Liebe zu den Menschen unterzog, zur Gegenliebe entflammt werden.* 
Durch die Übernahme des Leidens sollte uns sodann ein Beispiel des Gehorsams, der Geduld, der Demut, überhaupt aller Tugenden gegeben werden, die der Herr in seinen Leiden und Sterben in höchstem Grade übte. 
Das Andenken an das Blut Christi, den teuren Lösepreis, um den er erkauft ist, soll ferner den Menschen bewegen, desto mehr sich von jeder Sünde fern zu halten. 
Der böse Feind endlich, der Sieger über den Menschen, soll wiederum von einem Menschen überwunden, wie auch der Tod, dem, als der Sünde Sold, der Mensch erliegt, durch den Tod eines Menschen wiederbesiegt werden.

*S. Th. S. th. III. q. 15. a. 10

alles aus: Körperleiden und Gemütsbewegungen Christi, eine christlogische Studie, von H.H. Dr. Joseph Rappenhöner, 1878


Siehe auch: Wie man das bittere Leiden Christi betrachten soll


Montag, 13. Februar 2012

Die Liebe ist geduldig



Eine Seele, die den Heiland liebt, liebt das Leiden.

Hier auf Erden ist der Ort und die Zeit der Verdienste und folglich auch der Ort und die Zeit des Leidens. Unsere Heimat, wo Gott uns die ewige Ruhe in einer unaussprechlichen Seligkeit bereitet hat, ist der Himmel. Die Zeit, die wir auf dieser Welt zubringen, ist zwar kurz, aber die Mühseligkeiten und die Trübsale, die wir in dieser Zeit erdulden, sind groß: „Der Mensch vom Weibe geboren, lebt eine kurze Zeit und wird mit vielem Elende erfüllt“ (Jo 14,1).

Man muss leiden, so lautet das allgemeine Gesetz, und alle haben zu leiden, die Gerechten wie die Sünder, jeder hat sein Kreuz zu tragen. Wer es in Geduld trägt, wird gerettet, wer es in Ungeduld trägt, geht verloren. Dieselben Leiden und Prüfungen, sagt der heilige Augustinus, führen die einen in den Himmel und die anderen in die Hölle. Durch die Probe des Leidens, sagt derselbe Heilige, scheidet sich in der Kirche Gottes das Stroh vom Weizen: wer sich in Trübsalen demütigt und in den Willen Gottes ergibt, ist ein Weizenkorn für die Scheune des himmlischen Hausvaters, und wer sich hochmütig auflehnt, in Zorn gerät, und deshalb von Gott sich abwendet, ist Stroh für die Flammen der Hölle.


Aus: Hl. Alphons Maria von Liguori, Die Liebe zu Jesus Christus
Der hl. Alphons ist Kirchenlehrer.



Samstag, 31. Dezember 2011

Schluss des bürgerlichen Jahres am Silvesterabend



Mit dem letzten Tage des Jahres stehen wir gleichsam am Abend des Jahres. Nun pflegt der gläubige Christ, der weiß, was Großes ein Tag im Leben ist, allabendlich sich vor Gott zu sammeln zu einem frommen Nachtgebet. So ist es auch jetzt in vielen Orten ein schöner Brauch, am Silvesterabend sich noch einmal im Gotteshause, im Vaterhause zu versammeln, um gemeinsame katholische Abendandachten zu halten. Wenn du kannst, versäume diesen letzten Gottesdienst im alten Jahre nicht; sonst aber verrichte zu Hause mit den deinen eine gemeinsame Hausandacht.
 Es besteht aber ein gutes Nachtgebet aus vier Teilen, indem man Gott ein vierfaches Opfer als Abendopfer bringt.

1. Dankopfer.
Ein Jahr besteht aus mehr als 31 Millionen Sekunden. Nun bedenke, dass Gott dir zum allerwenigsten ebenso viele Wohltaten im Jahr erwiesen hat dadurch allein schon, dass er dich von Sekunde zu Sekunde am Leben erhalten hat.
Das konnte niemand, als Er allein, und Er hat es getan. Rechne nun dazu, was Gott dir sonst noch alles an Seele und Leibe, an übernatürlichen Gnaden und Wohltaten Gutes erwiesen, und du wirst selber gestehen müssen: es sei nicht zu zählen.
Dafür also schuldest du nach allem Recht und Gesetz Gott einen warmen Dank. „Es ist billig und recht und heilsam, dass wir dir, o Gott, überall und immer Dank sagen“, spricht die Kirche bei der Präfation. So sprich denn Gott von ganzem Herzen deinen Dank in Worten aus.

2. Sühnopfer.
Wagst du zu sagen, dass im verflossenen Jahr auch nur ein Tag vergangen sei, wo du Gott nicht wenigstens mit einer lässlichen Sünde beleidigt hast? War dein Gebet, deine Nächstenliebe, waren deine Worte, Gedanken, Begierden, Werke, Absichten alle so tadellos, dass Gottes reinstes Auge an ihnen keine Sünde entdeckt hat?
Wenn du aber auch nur täglich eine lässliche Sünde begangen hättest, so wären das im Jahr 365 Sünden?
Aber vielleicht fürchtest du mit Recht, dass ihre Zahl viel größer, und dass auch schwere Sünden darunter sind. Was ist aber eine Sünde? Es wäre dir tausendmal besser gewesen, du wärest gestorben, als dass du Gott auch nur einmal lässlich beleidigt hättest.
Ist das der Dank für all die Liebe, die Gott dir im Jahre ununterbrochen erwiesen hat? Wie, wenn du in dieser Nacht noch sterben müsstest? „Es ist schrecklich, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen!“
— Aber sieh! Wenn du auch vor Gott der größte Sünder wärest, du kannst machen, dass du heute abends noch schuldenfrei wirst, dass Gott dir alles verzeiht, und du mit ihm vollkommen ausgesöhnt ins neue Jahr hinüberkommst. Mache nur einen aufrichtigen Akt der vollkommenen Reue mit dem Willen, deine Sünden nächstens zu beichten — im selben Augenblick ist Gott versöhnt, deine Sünden sind getilgt, Gott schaut wieder mit Wohlgefallen auf dich herab.
„Ein zerknirschter Geist ist ein Opfer vor Gott.“ „Ein demütiges und zerknirschtes Herz wirst du, o Gott, nicht verachten.“ (Ps. 50,18)

3. Weiheopfer.
Gott ist im Begriffe, dir wieder ein Jahr zu schenken. Was willst du damit machen? Gott gibt es dir, dass du ihm dienest in treuer Beobachtung seiner Gebote; er lohnt dir jeden guten Gedanken, jedes gute Wort und Werk überreich. Du kannst dir also große Schätze sammeln im neuen Jahr.
Aber du kannst auch gegen Gottes Willen das Jahr brauchen im Dienste der Sünde und dir Schulden aufhäufen und Strafen für Zeit und Ewigkeit. Wie wirst du bei deinem Sterben und beim Gerichte wünschen, das neue Jahr zugebracht zu haben?
So fasse denn heute vor Gott den Vorsatz, dasselbe gottgefällig, für dich segensreich und verdienstvoll zuzubringen; weihe dich und dein Leben und Tun ganz dem Dienste Gottes. „Brand- und Schlachtopfer hast du, o Gott, nicht gewollt; — darum sprach ich: sieh, ich komme, um deinen Willen zu tun:“ (Hebr. 10,5.7.)

4. Bittopfer.
Du bist ganz und für alle auf Gott angewiesen. Du stehst in Gefahr, heute noch in Sünden zu fallen und in Sünden zu sterben; du allein aus dir selber wirst unmöglich der Sünde im neuen Jahr entgehen. Zudem drohen deiner Seele, deinem Leben, deinen Gütern von allen Seiten Gefahren.
Und du brauchst Gottes Allmacht selber, dass sie dir das Leben auch noch weiter erhalte. Aber er ist dein Vater, du sein Kind. Darum fasse Vertrauen auf seine Liebe, auf seine Macht und Weisheit und bringe ihm kindlich deine Bitten vor; bitte ihn um den Abendsegen am Schlusse des Tages und des Jahres.

Sehr passend und beherzigenswert ist das Evangelium, welches die Kirche heute am Feste des heiligen Papstes und Bekenners Silvester lesen lässt, und worin der Heiland mahnt, uns bereit zu machen auf den letzten Tag unseres Lebens, auf unsern Todestag, wo er kommen wird, jeden einzeln zu richten im besonderen Gericht.




Evangelium. Lukas 12, 35-40 



In derselben Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Eure Lenden sollen umgürtet und brennende Lampen in euren Händen sein. Und ihr sollt gleich sein den Leuten, die ihren Herren erwarten, wer zurückkommt von der Hochzeit, damit sie, sobald er kommt und anklopft, ihm die Türen sogleich öffnen. Selig jene Knechte, die der Herr, wenn er kommt, wachend findet! Wahrlich ich sage euch, er wird sich selbst umschürzen, sie zu Tisch sitzen lassen und umhergehend sie bedienen. Und wenn er um die zweite oder dritte Nachtwache käme und sie so fände, selig diese Knechte! Das aber merkt euch wohl: wenn ein Hausvater wüsste, zu welcher Stunde der Dieb kommen werde, so würde er wachen und nicht in sein Haus einbrechen lassen. So seid auch ihr bereit; denn zu einer Stunde, da ihr’s nicht meinet, wird des Menschen Sohn kommen. 

(Aus: katholische Hauspostille, Goffine, P. Franz Hattler, 1906)


Samstag, 3. Dezember 2011

Die Liebe im Herzen Jesu

Fortsetzung von hier
Vogel von Vogelstein
Lasset die Kinder zu mir kommen
von P. Franz Hattler 

Und so ist es auch bei unserem Heiland. Du kannst leicht durch seine Reden, durch sein Schweigen, durch seine Tränen und Klagen, durch seine Werke und Wunder ihm in das Herz schauen und so erkennen, was er für ein Herz gehabt hat. 

Versuche es nur einmal selbst – Sieh: er hat einmal, als seine Jünger die Mütter und Kinder abweisen wollten, dieselben an sich gezogen mit den Worten: „Lasst die Kleinen zu mir kommen!“ Und dann hat er sie umarmt und gesegnet! Siehst du da nicht deutlich, dass Jesus ein gar kinderfreundliches Herz hat.
Und ein anderes Mal hat er am Grab seines Freundes Lazarus geweint. Zeigen diese Tränen dir nicht klar, was er für ein mitleidiges Herz gehabt hat? Jedem Menschen, der ihn in seinem Elend um Abhilfe gebeten hat, hat der Heiland geholfen.

Und willst Du wissen, wie er in seinem Herzen für die Sünder gestimmt war, so lies die Erzählung vom guten Hirten, vom verlorenen Sohn, von der reuigen Magdalena, vom Zachäus, vom Schächer am Kreuz. Hat da nicht ein Herz gesprochen und gehandelt, das nicht den Tod des Sünder will, sondern dass er sich bekehre und lebe?

Und einmal hat er sich vor die Leute hingestellt und hat ihnen so lieb und gut und freundlich zugerufen: „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig seid und beladen; ich will euch erquicken,“ siehst du da nicht sonnenklar, wie ihm die Leiden der armen Menschen zu Herzen gehen?

Und so könnte ich Dir das ganze Evangelium durchlesen, und überall würden wir sehen, wie ihm ums Herz war, was in seinem Herzen vorgegangen ist, während er gepredigt, gebetet, gesegnet, Kranke geheilt, getröstet, geweint und gelitten hat.

Und so ist das heilige Evangelium voll vom Herzen Jesu, und es erzählt dir nicht bloß sein äußeres Leben, sondern auch das, was in seinem Herzen geschehen ist; und so kannst du Dir anhand des Evangeliums ein wahres, schönes, rührendes, erbauliches Bild vom Herzen Jesu machen.
Ja, ich meine, das Lesen der heiligen Schrift wird dir dann erst recht klar und recht lieb werden, wenn du durch alles, was sie dir vom Heiland erzählt, hineinzudringen verstehst, was der der Herr dabei in seinem Inneren, in seinem Herzen, empfunden hat.


Immer muss ich wieder lesen
In dem alten, heil´gen Buch,
wie der Herr so gut gewesen
ohne List und ohne Trug.

Wie er hieß die Kindlein kommen,

liebend hat auf sie geblickt,
und sie in den Arm genommen
und an seine Brust gedrückt.

Wie er helfendes Erbarmen
allen Kranken gern bewies,
und die Niederen und Armen

seine lieben Brüder hieß.

Wie er keinem Sünder wehrte,
der mit Reue zu ihm kam,
wie er huldvoll ihn belehrte,
ihm den Tod vom Herzen nahm.

Immer wieder muss ich lesen,
les´, und weine mich nicht satt,
wie der Herr so treu gewesen,
wie er uns geliebet hat.

Hat die Herde mild geleitet,

die sein Vater ihm verlieh´n,
hat die Arme ausgebreitet
alle an sein Herz zu zieh´n.



Jawohl – "alle an sein Herz zu ziehen“! 
Wenn du in solcher Weise das Leben und Leiden Jesu lesen wolltest, würdest auch du dich bald zu Seinem Herzen hingezogen fühlen, du würdest nicht anders können, als es zu lieben und ehren und Vertrauen zu ihm fassen und dadurch dir Sein Herz gewinnen!

Alles aus: Großes Herz-Jesu-Buch für die christliche Familie, von P. Franz Hattler , Priester aus der Gesellschaft Jesu, Verlag F. Pustet, 1901, mit oberhirtlicher Druckgenehmigung und Erlaubnis der Ordensoberen